Chemische Nachbehandlung gegen Korrosion und Anlaufen, abgestimmt auf Werkstoff und Anwendung
Passivierung
Korrosionsschutz und Anlaufschutz
Unter dem Begriff Passivierung fassen wir vier Nachbehandlungen zusammen, die Metalloberflächen vor Korrosion schützen. Bei Werkstoffen wie Edelstahl und Aluminium geht es vor allem um das Bauteil selbst, bei Silber oder Kupfer um das Anlaufen der Oberfläche. Welche Variante infrage kommt, hängt vom Material, von der Beschichtung und von der Anwendung ab.
Korrosionsschutz
Korrosion kann die Oberfläche angreifen und mit der Zeit das Bauteil schwächen. Bei Edelstahl übernimmt eine dünne Chromoxidschicht den Korrosionsschutz. Gelangt beim Bearbeiten, beim Schweißen oder über Werkzeuge freies Eisen auf die Oberfläche, kann das diese Schicht stören. Die Edelstahl-Passivierung entfernt dieses Eisen im Salpetersäurebad und begünstigt die Neubildung der Oxidschicht. Mit der Cr-III-Passivierung erhalten Aluminiumbauteile eine Chromkonversionsschicht auf Basis von dreiwertigem Chrom, die vor Feuchtigkeit und aggressiven Umgebungsbedingungen schützt. Das Bauteil bleibt elektrisch leitfähig. Soll es anschließend lackiert werden, ist die Schicht ein guter Haftvermittler für Lacke.
Anlaufschutz
Anlaufen ist eine Form der Korrosion, die zunächst vor allem die Oberfläche betrifft. Silber reagiert zum Beispiel mit schwefelhaltigen Bestandteilen der Luft zu Silbersulfid und verfärbt sich dunkel. Mit der Zeit kann das den Übergangswiderstand an Kontakten erhöhen und die Lötbarkeit verschlechtern. Die Thiol-Passivierung bildet einen sehr dünnen organischen Schutzfilm auf dem Metall. Sie verlangsamt die Reaktion mit der Umgebung und ist für Band-, Gestell- und Trommelware möglich. Die Passivierung auf Zinn-Basis arbeitet mit Zinn als Schutzmetall. Im Tauchbad wird dabei eine Zinnschicht abgeschieden, die als metallische Barriere wirkt. Bei Lagerung und Temperaturwechseln gilt sie als widerstandsfähiger. Beide Varianten verzögern das Anlaufen deutlich, ohne es auf Dauer vollständig zu verhindern.
Ausführlich beschrieben ist jede Variante auf einer eigenen Seite, zusammen mit Verfahren, Anwendungen und häufigen Fragen.
Alle vier Varianten sind chemische Prozesse, bei denen kein Strom fließt. Passiviert wird je nach Verfahren auf den Anlagen der Bandgalvanik, der Gestellgalvanik oder der Trommelgalvanik. Gefragt ist die Passivierung zum Beispiel in der Elektronik, der Automobilindustrie und der Medizintechnik. Auf versilberten Bauteilen dient sie als Anlaufschutz, Näheres zur Versilberung steht auf der Seite Silber Beschichtung.
Oberflächenübersicht
Passivierungs-Varianten
Edelstahl-Passivierung
Im Säure-Tauchbad kann sich die native Chromoxidschicht leichter neu bilden.
Cr-III-Passivierung
Aluminium bleibt leitfähig und erhält Korrosionsschutz durch eine Cr-VI-freie Chromkonversionsschicht (SurTec 650).
Passivierung (Thiol)
Anlaufschutz auf Thiol-Basis, zum Beispiel für Silber- und Kupferoberflächen.
Passivierung (Zinn)
Eine dünne Zinnschicht schützt Silberoberflächen vor dem Anlaufen.
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